Jürgen und Bergit Bergmann zeigen in Offenburg berührende Naturfilme voller Leben

Foto: Finn Zenker
Foto: Finn Zenker

Die beiden vielfach ausgezeichneten Naturfilmer Jürgen und Bergit Bergmann

zeigten Kurzfilme im Stadtteil- und Familienzentrum Ost in Offenburg. Trotz Kälte und

Regen waren rund 40 Zuschauer gekommen.

Zu Wasser, zu Lande und in der Luft ist die Wasseramsel unterwegs. Foto: Finn Zenker

Auf der Leinwand zu sehen war ausschließlich gutes Wetter. Denn um im englischen

Norfolk Vögel zu beobachten, im Elsass fliegende Insekten mit der Kamera festzuhalten

oder Aspisvipern bei der Paarung zu filmen, muss man auf den richtigen Moment

warten. Und wissen, wo man Chancen hat, diese Naturschauspiele auch zu finden. Die

beiden in Berghaupten lebenden Amateurfilmer, die seit fünfzehn Jahren mit ihren

Filmen erfolgreich an nationalen und internationalen Wettbewerben teilnehmen,

verraten dem interessiert nachfragenden Publikum, dass sich Naturfilmer durchaus

gegenseitig Tipps geben. "Aus Artenschutzgründen wird auf die genaue Ortsangabe

verzichtet", heißt es jedoch aus nachvollziehbaren Gründen im Abspann des Films "Ein

vergessenes Stück Land", dem jüngsten der gezeigten Kurzfilme, der beim

Bundesfilmfestival Natur mit dem "Goldenen Schmetterling" ausgezeichnet wurde.

Bergit und Jürgen Bergmann Foto: Juliana Eiland-Jung

Jürgen Bergmann erklärt, dass es sich dabei nicht um einen geheimen Filmspot

handelt, und viele Menschen die auf der dortigen Magerwiese herrschende Vielfalt von

Fauna und Flora kaum wahrnehmen würden. Tatsächlich sieht das Stückchen

graubraune Wiese, über das die Kamera immer wieder schwenkt, eher unspektakulär

aus. Aber gerade solche über Jahrzehnte nicht bewirtschaftete Flächen seien besonders

wichtig für die Artenvielfalt, betonen die Bergmanns, die sich deshalb auch für den

Erhalt des Offenburger Flugplatzes einsetzen. "Gewerbegebiete haben wir schließlich

schon genug", sagt Jürgen Bergmann. Die angebotenen Ausgleichsflächen seien

entweder kaum geeignet oder bräuchten Jahrzehnte, um die Qualität der alten Flächen

zu erreichen.

 Naturfilmer wollen Artenvielfalt sichern und setzen sich

dafür ein, Offenburger Flugplatz zu erhalten

Die Einladung zum Filmabend war vom Nabu Offenburg gekommen, in dem auch die

Mundart-Rezitatorin Gertrudis Weiß engagiert ist. Sie trug zwischen den Kurzfilmen in

schönstem Hochalemannisch kurze Gedichte von Inge Tenz und Erika Buhr vor. Und

auch "Herbst", der Film, mit dem die beiden Filmamateure 2011 erstmals bei einem

Wettbewerb teilgenommen haben, hat eine von Sigi Schwarz eingesprochene

alemannische Tonspur. Dass nicht nur das Filmen viel mehr Arbeit macht, als man

gemeinhin annehmen würde, sondern auch die Tonspur, erläuterte Bergit Bergmann.

Zwar werden die Originaltöne aufgenommen und zum Teil auch verwendet, aber in

Zeitlupenwiedergabe sei es doch oft notwendig, mit einem Handtuch den Sound des

Flügelschlags nachzumachen.

Wer mit wachen Sinnen durch die Natur geht, hat viele der Protagonisten in den

Filmen der Bergmanns schon gesehen: winzige Wollschweber, die im Frühjahr wie

Kolibris aus Blüten Nektar saugen, Wasseramseln am Bach, wilde Orchideen in der

Wiese. Doch vieles übersieht man auch, und nur mithilfe der Filmemacher hat man die

Gelegenheit, einen Kleiber so nah zu sehen oder einen Wiedehopf bei der Fütterung

seines Nachwuchses zu beobachten. Das faszinierende Naturschauspiel, wenn riesige

Schwärme von Knutts, die als Wintergäste im englischen Norfolk von der Springtide

aus dem Watt ins Landesinnere vertrieben werden, ist auch für Vogelkenner eine

Besonderheit. Von England, das betonen die Bergmanns, könne man in Sachen

Naturschutz übrigens noch einiges lernen.

Weitere Filme zeigen Bergit und Jürgen Bergmann am Freitag, 27. Februar, auf

Einladung der Naturfreunde Gengenbach in der Gengenbacher Stadthalle.

Schlagworte: Bergit Bergmann, Jürgen Bergmann, Sigi Schwarz

04.02.26, 09:32 Jürgen und Bergit Bergmann zeigen in Offenburg berührende Naturfilme voller Leben -

Offenburg - Badische Zeitung https://

Foto: Juliana Eiland-Jung
Foto: Juliana Eiland-Jung

                                                                          Bergit und Jürgen Bergmann